Teaser: Soziale Arbeit neu erleben: Mein persönlicher Rückblick auf ein Jahr Fachstelle Bedarfsabklärung
Vor exakt einem Jahr habe ich meine Tätigkeit bei der Fachstelle Bedarfsabklärung aufgenommen. Ich darf auf zwölf sehr spannende und oft emotionale Monate zurückblicken und merke, dass sich Soziale Arbeit in einem ganz anderen Kontext zeigen kann, als ich es bisher aus der Berufsbeistandschaft kannte.
Jahrelang befand ich mich in einem Spannungsfeld der Sozialen Arbeit. Einerseits musste ich als Beiständin immer wieder Entscheidungen treffen, die für meine Klienten nicht angenehm waren oder mit denen sie nicht einverstanden waren. Andererseits hatte ich einen rechtlichen Auftrag, nach dem ich handeln musste. Das war ein enormes Spannungsfeld. Der Zeitdruck war gross, die Arbeitslast hoch – und mitten in diesem Gefüge standen meine Klienten. Schliesslich ging es um ihr Leben, über das ich Entscheidungen fällte. Genau deshalb war mir die menschliche Perspektive damals schon so wichtig: Ich wollte – trotz des Zwangskontexts – stets Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen.
Genau diesen Anspruch an Begegnungen auf Augenhöhe lebe ich heute jeden Tag als Abklärungsfachperson bei fabea. Nach wie vor stehen die Menschen bei meiner Arbeit im Zentrum; schliesslich geht es um Leistungen, die ihnen helfen sollen, ihren Alltag selbstbestimmt zu bewältigen. Doch wie gelingt es, in einem einzigen Gespräch wirklich herauszufinden, was jemand benötigt? Für mich ist der Schlüssel dazu, im Gespräch präsent zu sein: Die richtigen Fragen stellen, spüren, was das Gegenüber beschäftigt, und eine echte, nahbare Haltung einnehmen.
Es berührt mich immer wieder, wie offen die Menschen uns begegnen, sobald sie merken, dass wir sie und ihre Situation ernst nehmen. So zu arbeiten, bringt eine ganz neue Freude in meinen Alltag. Und was für mich als ehemaliger Beiständin besonders schön ist: Plötzlich freuen sich die Menschen, wenn ich zu Besuch komme.
Ich habe die Arbeit als Beiständin wirklich gerne gemacht. Es war eine komplexe und lehrreiche Zeit, aus der ich enorm viel Wissen mitgenommen habe, von dem ich heute täglich profitiere. Dennoch ist die Arbeit im freiwilligen Rahmen für mich eine ganz andere, befreiende Erfahrung. Sie ermöglicht unglaublich ehrliche und tiefe Begegnungen. Zu sehen, wie sich Menschen nach teils schwierigsten Schicksalsschlägen zurück ins Leben kämpfen – dank der Leistungen, für die ich meine fachliche Einschätzung gebe – erfüllt mich mit grosser Freude und Dankbarkeit, diesen Job heute so ausführen zu dürfen.
Autorin: Angela Hunn